Aktionen

Gemeinsame Aktion mit
evangelischer Kirche

Dieser Satz hat Geschichte geschrieben: “Hier stehe ich, ich kann nicht anders.” 500 Jahre ist es her, dass Martin Luther in Worms vor Kaiser Karl V. standhaft blieb und dafür sein Leben riskierte. Luthers Satz steht deshalb auch für eine gemeinsame Aktion von Amnesty International und der evangelische Kirche in Nürnberg und Schwabach. Im Mittelpunkt: acht konkrete Fälle von Menschenrechtsverletzungen.

Klaus Stöckert hat zwei gute Nachrichten. Dem christlichen Ehepaar Shagufta Kausar und und Shaukat Emmanuel drohte in Pakistan wegen “blasphemischer Textnachrichten” die Hinrichtung. “Aber im Juni sind sie freigesprochen worden”, berichtet der Sprecher der Amnesty-Gruppe Schwabach. “Und auch Germain Rukuki aus Burundi ist seit Juli frei.” Rukuki war als Mitglied der christlichen Anti-Folter- Organisation ACAT zu 32 Jahren Haft verurteilt worden. “Schweigen ist keine Option” Zwei Beispiele, die Mut machen: “Wenn 500 000 Briefe an die Regierungen gehen, dann hilft das zwar nicht immer und überall. Aber je größer die Öffentlichkeit ist, desto größer sind die Chancen”, sagt Stöckert. “Schweigen ist keine Option”, heißt es deshalb in den Infobroschüren, die nun in der Stadtkirche, der evangelischen Kirche im Eichwasen und der Dreieinigkeitskirche ausliegen. Sie geben dem so abstrakten Thema Menschenrechte ein Gesicht. “Das ist bewusst eine Mischung aus bekannten Leuten und aus Menschen, die nicht im Fokus sind”, erläutert Klaus Stöckert.

Bekannte Namen

Zu den bekannten Personen gehört vor allem Wiki-Leaks- Gründer Julian Assange, der in Großbritannien in Haft ist und dessen Auslieferung die USA fordern. Für Schlagzeilen hatte auch der Fall von Maria Kalesnikava gesorgt. Für ihreOpposition gegen Weißrundlands Diktator Lukaschenko sitzt sie im Gefängnis. Nicht inhaftiert, aber in Italien angeklagt sind zehn Crew- Mitglieder des Seenotrettungsschiffs “Juventa 10”. Die Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer gilt als Unterstützung illegaler Einreisen. Es drohen fünf bis 20 Jahre Haft und hohe Geldstrafen. Auch über diesen Fall wurde internationale berichtet.

Unbekannte Schicksale

Völlig unbekannt ist dagegen der Lehrer und Gewerkschafter Bernardo Caal Xol, der sich für die Rechte der Maya einsetzt und seit drei Jahren in Haft sitzt. Oder auch Nassima al-Sada aus Saudi Arabien, die es gewagt hat, gleiche Rechte für Frauen zu fordern und dafür Schikane, Haft und Folter erleiden musste und noch immer im Gefängnis ist.

Exakt recherchiert

“Jeder dieser Fälle ist zu hundert Prozent genau recherchiert. Anders könnte Amnesty gar nicht arbeiten”, betont Klaus Stöckert. “Das alles sind Menschen, die für ihre Haltung einstehen”, sagt Pfarrer Paul-Hermann Zellfelder. Genau darin besteht die Verbindung zu Martin Luther. “Auch er ist nicht eingeknickt.” Doch Luther hatte Glück. Obwohl gegen ihn mit dem “Wormser Edikt” die Reichsacht verhängt worden war und er somit inLebensgefahr schwebte, gelang ihm mit Hilfe des Kürfürsten Friedrich dem Weisen die Flucht auf die Wartburg.

“Briefe gegen das Vergessen”

Doch nicht jeder hat solch mächtige Fürsprecher. Deshalb ist die Öffentlichkeit gefragt. Was aber kann man als Einzelner konkret tun? Amnesty International macht Druck mit Briefen und Petitionen. In dringenden Fällen gibt es die “Urgent letters”. Nicht weniger wichtig aber sind die “Briefe gegen das Vergessen”. So depremierend es einerseits sei, in wie vielen Ländern Menschenrechte nicht eingehalten werden, die Beispiele aus Pakistan und Burundi zeigten, dass der Einsatz lohnt. “Man muss einen Weg finden, sich anrühren zu lassen, ohne zu verzweifeln”, sagt Klaus Stöckert. “Die Welt ist schrecklich, aber man muss das Positive sehen.“

Erinnerung an den Häftling Nr. 2491

Anlässlich der Reichspogromnacht vom 9.November 1938 lädt die Amnestygruppe Roth-Schwabach am 9.November 2019 um 19.00 Uhr in die ehemalige Schwabacher Synagoge, Synagogengasse 6 in 91126 Schwabach, ein.

Im Mittelpunkt steht der KZ Häftling Paul Schneider, Pfarrer, christlicher Märtyrer und Antifaschist. Er erlebte die Reichspogromnacht 1938 im Konzentrationslager Buchenwald und wurde am 18. Juli 1939 nach über einjähriger Einzelhaft und Folter vom Lagerarzt mit der Todesspritze ermordet.

Referent des Abends: Pfr.i.R. Werner Strekies, Schwabach

Musikalisch wird der Abend begleitet vom Gitarrentrio Uwe Kamholz, Bert Lippert und Martin Riegauf

Werner Strekies hat sich seit einigen Jahren mit der Person von Paul Schneider beschäftigt. Er möchte den in Bayern weithin unbekannten Widerstandskämpfer mit diesem Abend ein wenig bekannter machen und dabei auch der Frage nachgehen:

„Woher nehmen Menschen die Kraft, um schwierige Zeiten durchzustehen?“

Die Solidarität Paul Schneiders mit den anderen Häftlingen und seine ungebrochene Widerstandskraft bis zum Tode gaben unzähligen Mithäftlingen Lebensmut. Sein Vorbild vermittelt auch heute Hoffnung in schwierigen Zeiten.
Im Schlussteil des Abend schlägt der Referent die Brücke in die Gegenwart und erzählt von dem, was dem Amnesty Mitglied Peter Steudtner 2017 in seiner hunderttägigen Haft im türkischen Gefängnis Kraft zum Durchhalten gegeben hat.

Eintritt frei, Saalöffnung ab 18.30 Uhr, Getränke und ein kleines Buffett werden angeboten. Die Amnestygruppe Roth-Schwabach freut sich auf Ihren Besuch.

7. April 2022